Warum ein guter Makler nicht beim Notartermin aufhört
Viele Menschen glauben, die Aufgabe eines Immobilienmaklers ende mit der Unterschrift unter dem notariellen Kaufvertrag.
Die Immobilie ist verkauft, der Vertrag unterschrieben – was soll jetzt noch passieren?
Eine ganze Menge.
Gerade die Zeit zwischen Notartermin, Kaufpreiszahlung und endgültiger Übergabe zeigt häufig, welchen Wert eine professionelle Begleitung tatsächlich hat.
Wenn nach dem Notartermin neue Fragen entstehen
Bei einem von mir begleiteten Immobilienverkauf wurde ein Teil des Kaufpreises auf einem Notaranderkonto hinterlegt.
Der Grund dafür war klar definiert: In der Immobilie lebte noch ein Mieter. Für den Fall, dass dieser nicht rechtzeitig ausziehen würde, sollte ein bestimmter Betrag zurückgehalten werden, um mögliche Kosten einer Räumung abzusichern.
Eine vernünftige Regelung.
Der Mieter zog jedoch ordnungsgemäß aus. Das Haus wurde geräumt übergeben und der Käufer erhielt sämtliche Schlüssel.
Eigentlich hätte damit alles erledigt sein können.
Doch bei der Übergabe entstand plötzlich eine neue Diskussion. Der Käufer wollte eine zusätzliche Erklärung zur Elektroinstallation in das Übergabeprotokoll aufnehmen.
Eine solche Garantie war im Kaufvertrag nicht vereinbart.
Und plötzlich stand eine Frage im Raum, die mit dem ursprünglichen Grund für den zurückbehaltenen Kaufpreisteil überhaupt nichts zu tun hatte.
Genau hier beginnt ein oft unterschätzter Teil meiner Arbeit
Als Maklerin kann und darf ich weder die Aufgaben eines Notars übernehmen noch Rechtsberatung leisten.
Aber ich kenne den Vertrag.
Ich kenne die Vorgeschichte.
Ich weiß, warum bestimmte Vereinbarungen getroffen wurden. Ich war bei den Gesprächen dabei und kenne die Interessen beider Seiten.
Und vor allem erkenne ich, wenn sich während der Abwicklung Dinge miteinander vermischen, die ursprünglich gar nichts miteinander zu tun hatten.
Dann besteht meine Aufgabe darin, hinzusehen, nachzufragen und dafür zu sorgen, dass Sachverhalte wieder sauber voneinander getrennt werden.
Nicht laut.
Nicht konfrontativ.
Und schon gar nicht, indem ich Entscheidungen für meine Kunden treffe.
Sondern indem ich die richtigen Fragen stelle.
Ein Makler ist nicht nur für die Vermarktung da
Natürlich gehören eine realistische Wertermittlung, gute Fotos, ein überzeugendes Exposé, Besichtigungen und Verhandlungen zu meinem Beruf.
Aber für mich ist das nur ein Teil guter Maklerarbeit.
Ein Immobilienverkauf besteht aus vielen einzelnen Schritten. Und an nahezu jeder Schnittstelle können Missverständnisse entstehen:
zwischen Käufer und Verkäufer, bei der Finanzierung, beim Notar, bei der Räumung, bei der Übergabe oder bei Vereinbarungen, an die sich einige Wochen später plötzlich jeder ein wenig anders erinnert.
Ein erfahrener Makler hält dabei den roten Faden in der Hand.
Er kennt nicht nur einzelne Momentaufnahmen, sondern den gesamten Vorgang.
Das kann besonders dann wertvoll werden, wenn nach dem Notartermin Schwierigkeiten entstehen.
Interessen im Blick behalten, ohne die eigene Rolle zu überschreiten
Ein guter Makler muss dabei eine besondere Balance halten.
Ich bin nicht die Rechtsanwältin meines Verkäufers. Ich bin auch nicht die Gegnerin des Käufers.
Aber ich bin verantwortlich dafür, einen von mir vermittelten Verkauf aufmerksam bis zum Ende zu begleiten.
Wenn ich erkenne, dass etwas nicht zu den ursprünglichen Vereinbarungen passt, spreche ich es an.
Freundlich und respektvoll – aber deutlich.
Denn auch das gehört für mich zu einer professionellen Maklerleistung.
Erfahrung zeigt sich manchmal erst, wenn etwas nicht nach Plan läuft
Solange ein Immobilienverkauf problemlos läuft, sieht vieles einfach aus.
Der tatsächliche Wert professioneller Begleitung zeigt sich häufig erst dann, wenn es kompliziert wird.
Dann braucht es jemanden, der den Vorgang kennt, Unterlagen noch einmal liest, Zusammenhänge erkennt und den Beteiligten hilft, wieder auf die Sachebene zurückzukehren.
Nach mehr als vier Jahrzehnten in der Immobilienbranche habe ich eines gelernt:
Nicht jedes Problem braucht sofort einen Streit. Manchmal braucht es zunächst jemanden, der aufmerksam hinschaut und die richtige Frage stellt.
Deshalb endet meine Arbeit nicht mit der Unterschrift beim Notar.
Sie endet für mich dann, wenn Käufer und Verkäufer das umgesetzt haben, was sie miteinander vereinbart haben – und der Immobilienverkauf tatsächlich abgeschlossen ist.
Fachkompetenz ist wichtig. Menschlichkeit ist unverzichtbar.
Tornowski Immobilien

